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SPD Uhldingen-Mühlhofen

Rückblick "Über den Umgang mit außenpolitischen Krisenherden" mit Rudolf Bindig im September 2017

Allgemein

Das altgediente sozialdemokratische Urgestein Rudolf Bindig (Mitte), 77, der von 1976 bis 2005 dem Bundestag angehörte, erörtete mit dem 26-jährigen Kandidaten Leon Hahn (links) außenpolitische Themen. Eingeladen hatte Roland Kappaun (rechts), SPD-Ortsvorsitzender in Uhldingen-Mühlhofen. | Bild: Hanspeter Walter

Presseartikel, Südkurier, 19.9.2017

SPD-Urgestein Rudolf Bindig zeigt: Wahlkampf geht auch anders

Von 1976 bis 2005 war Rudolf Bindig für die SPD im Bundestag. Bei einer Wahlveranstaltung im "Sternen" erörterte der 77-Jährige im Gespräch mit SPD-Kandidat Leon Hahn außenpolitische Fragen. Zuhöhrer erlebten einen ernsthaften Diskurs statt Politik-Floskeln.

Ja, es war eine Wahlveranstaltung. Nein, es gab nicht die gängigen Worthülsen, Allgemeinplätze und Floskeln, die man allzu oft zu hören bekommt. Schade, dass nur ein Dutzend Besucher in das Nebenzimmer des "Sternen" in Mühlhofen gekommen war, dessen Einrichtung mit dem alten Uhldinger Ratstisch ein kommunalpolitisches Flair atmet. Denn es war ein echter demokratischer Diskurs an der parteipolitischen Basis, zu dem sich jeder in der Runde mit seiner Bewertung und Einschätzung zu Wort meldete – obwohl es in erster Linie um außenpolitische Perspektiven und Handlungsoptionen ging.

Es war eine gute Idee des SPD-Ortsvorsitzenden Roland Kappaun, zu einer Veranstaltung des jungen Bundestagskandidaten Leon Hahn (26) mit Rudolf Bindig (77) aus Weingarten einen altgedienten und erfahrenen ehemaligen Abgeordneten und Repräsentanten der Region einzuladen. Bindig sitzt zwar noch im Ravensburger Kreistag, ist jedoch nur noch selten im Westen des Bodenseekreises zu sehen. Die Zuhörer erlebten einen ebenso kenntnisreichen wie unaufgeregten Politiker, der mit seinem umfangreichen Erfahrungsschatz – von 1976 bis 2005 war Bindig im Bundestag – und Hintergrundwissen seine Einschätzung zu verschiedenen Krisenregionen gab. Hahn ergänzte die Ausführungen mit eigenen Positionen und erntete den Respekt des Routiniers. "Wie alt bist du denn?", fragte Bindig ihn am Ende der Diskussion und war erstaunt über den Auftritt des 26-Jährigen: "Toll!"

Roland Kappaun hatte mit seiner Begrüßung auch die Themenwahl "Über den Umgang mit außenpolitischen Krisenherden" und den Fokus begründet, warum er in der Ankündigung die USA, Russland, die Türkei und Nordkorea zusammengespannt habe. "Sie alle teilen alle die Abneigung gegen neutrale Berichterstattung" formulierte Kappaun einige Gemeinsamkeiten. Sie gäben zudem vor, in ihrem nationalen Interesse zu handeln, doch im Grunde gehe es ihnen in erster Linie um "persönlichen Machterhalt". Aber selbst mitten in Europa gibt es täglich neue Herausforderungen.

Vor dem Hintergrund des "unerwarteten Brexit-Beschlusses" forderte Rudolf Bindig, die Bedingungen für den Austritt "nicht zu freundlich zu gestalten". Sonst verleite dies auch andere dazu, die vielen Rechte und Möglichkeiten nutzen zu wollen, ohne Verpflichtungen und Verantwortung übernehmen zu müssen. Den Eindruck einer Chance auf eine weitere Rückabwicklung der EU will auch Leon Hahn unbedingt vermeiden. Nur mit der Perspektive auf eine Erweiterung seien zukunftsweisende Entwicklung möglich, bei der durch Kooperation und Abhängigkeit zum Vorteil aller auch Stabilität entstehe. Finanzausgleich in Europa versteht Hahn im Grunde als Investition in einer Friedensunion.

In der russischen Sphäre kennt sich Rudolf Bindig bestens aus, spätestens seit er Berichterstatter für einen russischen Beitritt zum Europarat (1996) gewesen war. Fehl am Platze ist aus seiner Sicht der abschätzige Begriff "Putin-Versteher", wenn jemand sich um einen Perspektivwechsel bemühe, sich in die Rolle des Anderen hinein- und sich mit dessen Problemen auseinandersetze. Dabei müsse man völkerrechtswidriges Verhalten keineswegs gutheißen, das Bindig bei der Annexion der Krim als klaren Verstoß brandmarkte. Doch allein die komplizierte Struktur des aus 85 ganz unterschiedlichen Föderationssubjekten bestehenden russischen Staates, den Putin irgendwie nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Jelzin-Ära zusammenzuhalten versuche, sei eine Herausforderung für dem Staatschef gewesen, auf die er mit "vertikaler Autorität" reagiert habe. Vor diesem Hintergrund sei es völlig verkehrt gewesen, der Ukraine eine Mitgliedschaft in der Nato in Aussicht zu stellen, "selbst wenn diese es will". Klüger wäre es für Bindig gewesen, "einen Weg wie mit Finnland zu gehen". Russland fühle sich nicht mehr auf Augenhöhe und versuche daher, Europa zu destabilisieren und zu schwächen. Auch indem es rechtsgerichtete Strömungen unterstütze. Bindig: "Ich würde mich nicht wundern, wenn auch die AfD indirekt finanziert wird."

Ohne die jüngsten Provokationen Nordkoreas zu verniedlichen, sieht Bindig eine Überbewertung der USA. Da müsse doch nicht der Präsident selbst reagieren: "Der Unterstaatssekretär wäre da angemessener gewesen."

Witz für Helmut Schmidt

„Als ich zum erstenmal kandidiert hatte (das war 1976, Anm. d. Red.), damals war Helmut Schmidt Bundeskanzler“, erinnerte sich Rudolf Bindig (77) an seinen Wahlkampf vor mehr als 40 Jahren, „da durften wir alle ein Bild mit ihm machen.“ Nachdem die ersten 20, 30 Genossen abgelichtet waren, sei Schmidt langsam schon etwas ermattet gewesen und habe gesagt: „Erzähl mir sofort einen Witz.“ Er sei jetzt noch stolz, dass ihm damals einer eingefallen sei – von einem Firmenchef, der seinen Lehrling gefragt habe: „Sind Sie denn auch ehrgeizig?“ – „Ja natürlich“, habe der geantwortet: „Ich werde nicht solange rasten, bis ich auf Ihrem Stuhl sitze.“ Und Bindig kam zur Pointe: „Siehst du, Helmut, und so mache ich das in der Politik!“ Darauf habe Schmidt herzhaft gelacht und gesagt: „Du bist aber ein kecker Kerl.“ (hpw)

 
 

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